Gemeindeleben

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Kirchenfenster - Die Gemeinden des verbundenen Pfarramts in der Region Nord

Redaktion Sabine Nannt

Wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus...

... endlich Urlaub!

Endlich Ferien! Endlich mal raus aus dem Alltag, raus aus der Arbeit, raus aus den tausend Anforderungen und Erwartungen, die von allen möglichen Seiten an uns gestellt werden. Für Kinder, insbesondere Schulkinder, sind die Ferien oft heiß ersehnt: Keine Schule, kein Unterricht, kein Stress mit Hausaufgaben und Klassenarbeiten, mit Mitschülern und Lehrer*innen. Und auch vielen Erwachsenen geht es vielleicht ähnlich. Erst im hohen Alter sieht es dann vielleicht auch wieder anders aus: ‚Ach ja, schon wieder sind alle weg…?‘

Einfach mal raus? Den Alltag hinter sich lassen? – Das darf sein! Es ist o.k., auch mal Pause zu machen und auf Zeit auszusteigen aus den Hamsterrädern. Unser Wort „Urlaub“ drückt das aus. Es stand im Mittelhochdeutschen für die Erlaubnis, wegzugehen, sich für eine Zeit aus dem Amte, aus dem Dienst zu entfernen.

Raus aus dem Alltag und Zeit haben für anderes und andere. Für Freunde und Familie, an anderen Orten und in anderer Umgebung. Die Zahl der Radreisenden, Pilgerinnen und Pilger sowie der Wohnmobilisten nimmt schon seit Mitte April wieder zu. Auf den offiziellen und inoffiziellen Plätzen an der Weser bewundere ich das immer, wenn ich mit dem Fahrrad an ihnen vorbeifahre: Einfach nur sitzen…!

Möge Ihnen das gelingen in den kommenden Wochen! Und mögen Sie dann auch gerne wieder nach Hause zurückkommen, vielleicht sogar mit Freude darauf, dass uns der Alltag wieder hat und wir ihn… Unter Umständen ja sogar mit neuen Perspektiven, bereichert um neue Ideen und ausgestattet mit neuer Kraft – und/oder dem Mut, Dinge endlich zu ändern…

Als Reiselektüre empfehle ich das Lied unter der Nummer 498 im Evangelischen Gesangbuch: „In Gottes Namen fahren wir, sein heilger Engel geh und für […] Herr, du wollst uns Geleitsmann sein und mit uns gehen aus und ein und zeigen alle Steig und Steg, wehren dem Unfall auf dem Weg. […] So wird kein Berg noch tiefes Tal, kein Wasser irrn uns überall; froh kommen wir an unsern Ort, wenn du uns gnädig hilfest fort. Kyrieleis.“

P. Günter, Besinnung Kirchenfenster Sommer 2026

Ein besonderer Ort - offen für Sie!

Jeden Tag, bei Wind und Wetter öffnen Melanie Heinrichs, Barbara von Brill, Sabine Nannt, Elke Ben Toumine (v.l.) sowie Linda Laskowski die Hehlener Immanuelkirche. Dank ihres ehrenamtlichen Engagements steht das barocke Schmuckstück von 1699 Besucherinnen und Besuchern offen: zum Verweilen, Betrachten und Entdecken, oder für einen Moment im Gebet.

Ich finde es wichtig, dass es diese besonderen Orte gibt. Orte, an denen ich Gott und seinem Wort begegnen kann. Ich habe da ein Privileg, auch durch die zentrale Lage der Wohnung im Pfarrhaus: Morgens, mittags, abends, zwischendurch kann ich in die Kirche gehen. Und beim Schreiben dieser Zeilen fällt mir ein: ich konnte das schon immer. Endlich mit 14 durfte ich Orgel spielen, und hatte seitdem mindestens einen Kirchenschlüssel am Schlüsselbund. Sich freuen oder sauer sein, Vokabeln lernen oder sich Matheformeln nicht merken können – alles ging für mich in der Kirche viel besser.

Es braucht solche Orte heute mehr denn je. Wo ich eben mal was anderes höre als im Radio, und andere Nachrichten sehe als im Fernsehen und in den sogenannten „sozialen“ Medien; Orte, an denen ich Gott und seinem Wort begegnen kann. Das mich selbst und die Welt um mich herum ja kolossal in Frage stellt. Ich glaube, vielen ist das innerlich irgendwie bewusst, und sie ahnen das und gehen lieber nicht hin. Oder singen lieber gar nicht erst mit, geschweige denn, dass sie die Hände falten. Es droht die Gefahr, mein Weltbild könnte ja ins Wanken geraten…

Und dann heißt es immer lapidar und sehr von oben herab: Alte Sprache, alte Texte, „das hat mit mir und meinem Leben nichts zu tun“ – könnte es nicht auch wahr sein, dass mein Leben mit dem Evangelium momentan nichts oder zu wenig zu tun hat, und es gut wäre und jedenfalls im Sinne des Erfinders, das mal wieder zu ändern? Es braucht besondere Orte, besondere Zeiten, an denen wir den Zuspruch Gottes hören und Gottesdienst feiern. Als Auszeit für die Seele. Als Hinweis darauf, als tägliche Erinnerung daran, dass diese Welt nicht alles ist und der Tod nicht das Ende. Christus spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5; Jahreslosung 2026). Amen. 

P. Günter, Andacht für TAH 2025